Ketamininfusion in meiner psychiatrischen Facharztpraxis

Bayern, Traunstein

Ketamin in der Behandlung psychischer Erkrankungen:

Bayern: Schon seit langem ist die antidepressive Wirkung von Ketamin bekannt. Ursprünglich und auch heute, wird Ketamin, ganz überwiegend, in der Anaesthesie eingesetzt.

In Amerika ist ein Ketamin-Nasenspray zugelassen, seit kurzer Zeit auch in der EU – in Deutschland noch nicht. Dieses Nasenspray ist aber auch ausschließlich in der ärztlichen Praxis einzunehmen. Studien dazu müssen und werden folgen.

Eine sehr gute und sichere Alternative ist die Infusionstherapie. Ein großer Vorteil liegt dabei in der kontinuierlichen Verabreichung kleinster Dosen pro Zeiteinheit. Das heißt, dass die Wirkung des Medikamentes sehr exakt gesteuert werden kann und z.B. bei Unwohlsein sofort gestoppt oder verlangsamt werden kann. Beim Nasenspray ist das nicht möglich (einmal in der Nase ist eben in der Nase).

Die Zulassung des Nasensprays schränkt die Anwendung auf die Patienten ein, die auf zwei Medikaente bisher nicht genügend mit einer Verbesserung angesprochen haben.

Diese Einschränkung gilt für die Ketamininfusion nicht, da Ketamin als Infusion generell nicht zur Depressionsbehandlung zugelassen ist und eine „Wunschbehandlung“ darstellt. Gegen die Einschränkung spricht auch das vergleichsweise geringe Nebenwirkungsprofil von Ketamin gegenüber den anderen Antidepresiva (Medikamente gegen Depressionen).

Wie genau Ketamin gegen die Depression hilft ist noch nicht endgültig geklärt. Klar ist, dass ein bestimmter Rezeptor im Gehirn (NMDA) blockiert wird. Das führt zu einer vermehrten Stimulation eines weiteren Rezeptors (AMPA). Letztlich kommt es zu einer erhöhten (neurotropinvermittelten)

Signalweiterleitung mit Wiederherstellung von gestörten Funktionen zwischen den Nervenzellen in Bereichen, die für die Stimmung und Emotion zuständig sind.

Die schnelle Wirkung kann mit einer verbesserten dopaminvermittelten Signalübertragung zwischen Nervenzellen erklärt werden. (Dopamin ist ebenfalls ein Botenstoff und vermittelt Informationen von einer zur anderen Zelle)

Wenn Medikamente gegen Depressionen eingenommen werden, sollten diese erst einmal weiter eingenommen werden. Die Behandlung mit Ketamin ist bei folgenden Patienten nicht möglich:

  • Überempfindlichkeit gegen Ketamin
  • wenn ein Bluthochdruck vorliegt der ein ernsthaftes Risiko darstellt
  • ein schlecht eingestellter Blutdruck mit Werten über 180/ 100 mm in Ruhe
  • eine Schilddrüsenüberfunktion die nicht genügend behandelt wird
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Es können folgende Nebenwirkungen auftreten:

anaphylaktische Reaktion, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall – selten
lebhafte Träume, Schwindel, Unruhe - sehr häufig
Im weiteren: Halluzination, unangenehme Gefühle, Angst, Orientierungsstörung, Sehstörungen, Blutdruckanstieg, Übelkeit, Hautrötung, Ausschlag, Schmerzen an der Injektionsstelle, Infektionen.

Die Behandlung wird von den Kassen in der Regel nicht bezahlt (keine „Kassenleistung“) – nachfragen kann aber lohnen. Von den privaten Versicherungen werden die Kosten der Behandlung in der Regel übernommen. Aber auch hier ist eine vorherige Nachfrage zu empfehlen. (die Tarife sind sehr unterschiedlich).

Scheuen Sie sich nicht mich bei Fragen zu konsultieren.
Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihnen Alles Gute